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BFV_BestPractice_Broschuere_2016

„Wahrer Erfolg“ im Amateurfußball – Tim Frohwein, Wissenschaftlicher Projektleiter, über spannende Erkenntnisse und echte Fußballexperten 5 „Wahrer Erfolg“ im AmateurfuSSball Tim Frohwein, Wissenschaftlicher Projektleiter, über spannende Erkenntnisse und echte Fußballexperten Liebe Fußballfreundinnen und -freunde, ich kenne die Diskussion aus meinem Heimatverein, dem FC Dreistern Neutrudering. Auch dort war und ist man sich nicht immer einig, ob das primäre Vereinsziel höchstmögliche Platzierungen, Meisterschaften, Titel oder doch das „Gemeinschaftserlebnis Fußball“ sein sollte. Während in den drei Profiligen des organisierten deutschen Fußballbetriebs ein Konsens darüber herrscht, dass der Erfolg eines Vereins untrennbar mit seinem sportlichen Abschneiden verknüpft ist, kann ein Amateurfußballverein selbst dann als erfolgreich gelten, wenn die Erste Herrenmannschaft regelmäßig die Saison im unteren Mittelfeld der Tabelle beendet – ja sogar, wenn es mal eine Klasse nach unten geht. Denn im Amateurfußball wird Erfolg durchaus anders definiert – wie genau, das wollten die Hochschule Fresenius und der Bayerische Fußball-Verband (BFV) im Rahmen einer groß angelegten Studie herausfinden. Mit Hilfe der Vereinsdatenbank des BFV gelang es im Sommer 2015, mehr als 1000 Personen, die als Spieler, Funktionäre, Ehrenamtliche oder Eltern mit einem bayerischen Amateurfußballverein assoziiert sind, online zu befragen – und ihnen dabei unter anderem diese Frage zu stellen: „Wann ist ein Amateurfußballverein in Ihren Augen erfolgreich?“ Ihre insgesamt drei Kreuze konnten die Umfrageteilnehmer dabei auf mehrere vorgegebene Antwortmöglichkeiten verteilen. Wie die Auswertung zeigte, wurde eine dieser Möglichkeiten mit Abstand am häufigsten ausgewählt: 84 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass ein Amateurfußballverein dann erfolgreich ist, wenn er „Gute Jugendarbeit“ leistet. Die Definition von guter Jugendarbeit variiert dabei zwischen den Antwortenden, harte Faktoren sind in diesem Zusammenhang durchaus auch schwerlich auszumachen. Man kann aber sicherlich die Anzahl der Teams und Jugendlichen genauso zum Maßstab nehmen wie die Qualität der fußballerischen Ausbildung oder beispielsweise eine erfolgreiche Werte- vermittlung und Integration. Auch wenn innerhalb eines Vereins ein starker sozialer Zusammenhalt herrscht oder er aus einem großen Pool ehrenamtlich Engagierter schöpfen kann, gilt er in den Augen der Teilnehmer als erfolgreich: 63 bzw. 62 Prozent setzten hier ihr Kreuz. Nur rund ein Drittel der Befragten fand dagegen, dass der sportliche Erfolg in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist daher: Das System Amateurfußball funktioniert nach einer anderen Logik als das System Profifußball – und zwar deswegen, weil sich Amateurfußballvereine mit anderen Erfolgserwartungen konfrontiert sehen. Das mag zunächst wenig überraschend klingen. Aber wer sich im Amateurfußballwesen ein wenig auskennt, der weiß, dass die mächtigen Positionen in Vereinen häufig von Personen erobert werden, die bereit sind, für den sportlichen Erfolg – auch weil damit großes Prestige verbunden ist – viel Geld in die Hand zu nehmen und einiges zu opfern. Das geht oft zu Lasten jener Bereiche, die anderen Mitgliedern oder auch Freunden und Gönnern im Umfeld des Vereins am Herzen liegen. Und das wiederum führt nicht selten dazu, dass diese Personen sich enttäuscht vom Verein abwenden, was insbesondere in den Experteninterviews auch so rückgemeldet wurde und zum Beispiel in einer DFB-Untersuchung aus dem Jahr 2006 belegt wird: https://www.bisp-surf.de/discovery/Record/PR020060700134. Direkter Link zur DFB-Untersuchung


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