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BFV_BestPractice_Broschuere_2016

FC Wacker München – Bei uns spielen alle: Integration im Verein 21 Kontrolle und Anpassung • Die Positionierung als „Spiel&Spaß“-Verein hat im Bambini-Bereich für einen regelrechten Boom gesorgt, der nur durch die Platzkapazitäten begrenzt wurde. • Das neue Leitbild wurde ebenfalls erfolgreich eingeführt. Es gibt zahlreiche Beispiele für die gelungene Integration selbst von zuvor sozial extrem auffälligen Jugendlichen und herausragende Erfolge für die Sozialarbeit im Stadtteil. Daraus resultiert ein mittlerweile extrem gutes Image (lokal und überregional). Der FC Wacker München wird sogar von internationalen Medien- vertretern als Vorzeigeklub für „gelungene Integration im Sport“ besucht. Die Mitglieder kommen mittlerweile aus weit über 50 unterschiedlichen Nationen, ohne dass es nennenswerte Probleme gibt. Ebenso ist das Ansehen bei Behörden und Verbänden sehr positiv und die Zusammenarbeit sehr eng und partnerschaftlich. Davon profitiert der Verein bei allen aktuellen Projekten. Die Mitgliederzahl hat mit 472 laut Verein die Kapazitätsgrenze erreicht. Der Verein hat nach gut zehn Jahren auf diesem Weg aber auch mit Problemen zu kämpfen: • Mit zunehmender Mitglieder- und Mitarbeiterzahl wird die Kommunikation und Umsetzung des Leitbildes im Verein immer schwieriger. Der Verein wird von vielen neuen Mitgliedern nicht mehr vorrangig als Wertegemeinschaft wahrgenommen, sondern als sympathischer Multikulti-Klub. Das Leitbild verwässert und die Stimmen nach „Leistungsfußball“ im Verein werden wieder lauter. Der Verein steht somit vor der Frage, ob und in welcher Form er dem Wunsch Rechnung tragen kann. • Viele Projekte, die zum Erfolg des Vereins beigetragen haben, sind mit einer einzelnen Person verknüpft, deren zeitliches und finanzielles Engagement weit über das übliche Maß hinausgeht. Diese Belastung ist in der Regel nicht dauerhaft zu verkraften. Aufgaben müssen deshalb auf mehrere Schultern verteilt werden. Durch den extrem hohen Anteil an sozialer Arbeit im Verein brauchen Mitarbeiter neben der Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ein außerordentlich hohes Interesse an dieser Arbeit, die unter Umständen nichts mit dem klassischen Fußballsport zu tun hat. Die Arbeitsintensität und der Finanzbedarf bei dieser Mischform aus Sport und Sozialarbeit sind zudem deutlich höher, als bei einem klassischen Fußballverein. Das erschwert die Suche nach zuverlässigen und dauerhaften Mitstreitern. • Ein Vorzeigeklub polarisiert. Integration ist mehr denn je ein großes öffentliches Thema. Wer sich sozial engagiert, wird auch mit Ablehnung konfrontiert und muss auch mit zusätzlichen Widerständen rechnen. Fazit Das Umschwenken auf „Spaßfußball“ im Bambini- Bereich hatte enormen Erfolg und war ohne jegliche Vorkenntnisse möglich. Zudem hat die in den Folge- jahren in den Verein integrierte Sozialarbeit und das öffentliche Leitbild des Klubs das schlechte Image innerhalb kurzer Zeit massiv aufgebessert und den Verein in der Öffentlichkeit positiv positioniert. Das hat sich unmittelbar in deutlich gestiegenen Mitgliederzahlen und einer wachsenden Zahl an Unterstützern und Mitarbeitern niedergeschlagen. Ebenso ist der Verein für Sponsoren und Partnerschaften interessant geworden und im Stadtteil auch unabhängig vom Sport gut vernetzt und angesehen. Die Kunst besteht allerdings darin, innerhalb des Vereins entweder das Leitbild und den nicht leistungsorientierten Fußball immer wieder neu und unumstößlich bei allen (neuen) Mitarbeitern zu verankern bzw. vorauszusetzen, oder einen Weg zu finden, wie zumindest für die älteren Jahrgänge sowohl „Spaßfußball“ für den integrativen Zweck als auch leistungsorientierter Fußball parallel angeboten werden können. Zudem darf das soziale Engagement des Vereins nicht dauerhaft von einzelnen Mitarbeitern abhängig sein und soziale Projekte dürfen keine Ausmaße annehmen, die das abgesprochene Zeitbudget oder die Fachkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter übersteigen. Mehr Infos zum Verein unter: fc-wacker-muenchen.de Der Spaß am Spiel steht im Bambini- Bereich immer im Vordergrund


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